{"id":601,"date":"2026-07-01T15:29:55","date_gmt":"2026-07-01T13:29:55","guid":{"rendered":"https:\/\/aktiv-gegen-antisemitismus.net\/?p=601"},"modified":"2026-07-01T15:45:15","modified_gmt":"2026-07-01T13:45:15","slug":"es-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktiv-gegen-antisemitismus.net\/?p=601","title":{"rendered":"&#8222;Es geht weiter!&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">J\u00fcdisches Leben in Deutschland heute: Es geht weiter!<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ergriffenes Zuh\u00f6ren, betroffene Stille, Mitgef\u00fchl und ein Bewusstsein f\u00fcr die eigene Verantwortung f\u00fcr die Gegenwart und Zukunft schwingen in der Atmosph\u00e4re, als Judith Neuwald-Tasbach am warmen Sommerabend des 23. Juni vor \u00fcber 60 Menschen im Foyer des Deutschen Schloss- und Beschl\u00e4gemuseums die Geschichte ihrer Familie erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Gro\u00dfeltern waren alteingesessene Gelsekirchener. Der Gro\u00dfvater \u2013 Inhaber eines Bettengesch\u00e4fts, der einst voller Stolz seine Ware in der Rundhalle am Wildenbruchplatz ausstellte. Die Neuwalds hatten Ziele, Pl\u00e4ne, Tr\u00e4ume \u2013 so wie wir sie heute auch haben.Dass sie schon wenige Jahre sp\u00e4ter mit zahlreichen anderen Gelsenkirchener J\u00fcdinnen und Juden von den Nazis in derselben Rundhalle am Wildenbruchplatz zusammengepfercht werden, um in den Osten abtransportiert zu werden, entzog sich jeglicher Vorstellungskraft.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Menschenverachtende Erfahrungen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur 2 der 26 Familienmitglieder \u00fcberlebten den Holocaust, darunter Kurt Neuwald \u2013 der Vater von Judith Neuwald-Tasbach. Mit einer ruhigen Stimme erz\u00e4hlt sie von den menschenverachtenden Erfahrungen, die ihre Verwandten machen mussten \u2013 vom Schweigen und Wegschauen der Freunde und Nachbarn, von zunehmender Ausgrenzung im Alltag, von Hunger und K\u00e4lte, von Erschie\u00dfungskommandos durch junge Soldaten, die man unter anderen Umst\u00e4nden vielleicht in seinem eigenen Freundeskreis gehabt h\u00e4tte und der Unm\u00f6glichkeit, jemals Abschied zu nehmen \u2013 f\u00fcr uns kaum vorstellbar und nicht zu begreifen, wie ein Mensch einem anderen so viel Leid antun kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Mal f\u00e4llt der Satz &#8222;Ich hatte einen Befehl!&#8220; \u2013 als Begr\u00fcndung der T\u00e4ter f\u00fcr ihre Handlungen \u2013 derer, die erst Synagogen, Gesch\u00e4fte und Wohnungen der J\u00fcdinnen und Juden zerst\u00f6rten und solcher, die Menschen systematisch ermordeten. Als ob man die Verantwortung f\u00fcr das eigene Handeln so einfach abgeben k\u00f6nnte!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Cornelia, die Zwangsarbeiterin aus der Gelsenkirchener \u00d6lraffinerie<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;DP&#8220;&#8230;die Abk\u00fcrzung f\u00fcr &#8222;displaced person&#8220; nimmt in den Ausf\u00fchrungen von NeuwaldTasbach einen besonderen Stellenwert ein. Sie zeugt von Entwurzelung und vom Verlust des eigenen R\u00fcckhalts \u2013 von allem, was uns das Gef\u00fchl gibt, irgendwo in dieser Welt einen Anker zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielen J\u00fcdinnen und Juden erging es so \u2013 auch einer jungen Frau namens Cornelia, die als Zwangsarbeiterin in die Gelsenkirchener \u00d6lraffinerie verschleppt, wie durch ein Wunder die zahlreichen Bombardements des Werks \u00fcberlebt hatte, von einem mutigen deutschen Arzt von ihren Verletzungen gepflegt wurde und letztendlich in Gelsenkirchen blieb, weil sie keinen Ort mehr hatte, an den sie zur\u00fcckkehren konnte. Cornelia traf hier sp\u00e4ter Kurt Neuwald und brachte 2 M\u00e4dchen zur Welt \u2013 Margitta und Judith.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Dar\u00fcber nie geredetet&#8230;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wann die Eltern ihr deren Geschichte erz\u00e4hlt h\u00e4tten, fragt eine Veranstaltungsteilnehmende die Referentin. Sie h\u00e4tten es nie getan, so NeuwaldTasbach. Die Mutter verstarb fr\u00fch an den Folgen schwerster Arbeit in der \u00d6lraffinerie. Und der Vater sprach kaum \u00fcber seine Vergangenheit \u2013 zu schwer die Last der Erinnerungen, zu dunkel ihre F\u00e4rbung, zu stark der Schmerz. Vielleicht sprach er aber auch deshalb nicht, weil er seinen T\u00f6chtern die M\u00f6glichkeit geben wollte, in einer friedvolleren Welt aufzuwachen, im Glauben an das Gute im Menschen, mit einem unbefleckten Heimatgef\u00fchl im Herzen. Vielleicht sprach er aus Liebe zu seinen M\u00e4dchen nicht \u2013 der Liebe, die seine Seele nicht verlernt hat zu empfinden, trotz tiefster Verletzungen, die ihr zugef\u00fcgt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Judith Neuwald-Tasbach hat ihren Vater schon im Kindesalter dabei begleitet, wie er die J\u00fcdische Gemeinde in Gelsenkirchen wiederaufbaute und daf\u00fcr sorgte, dass j\u00fcdisches Leben in Deutschland wieder Einzug fand. Sp\u00e4ter \u00fcbernahm sie selbst die Gemeindeleitung und ist heute immer noch Ehrenvorsitzende.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Aufgeschlossen und authentisch &#8211; im &#8222;Unruhestand&#8220;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit 3 Jahren im &#8222;Unruhestand&#8220;, beschreibt sie scherzhaft ihre aktuelle Situation. Aufgeschlossen und authentisch tritt sie vor Publikum und mit Menschen ins Gespr\u00e4ch. Ihre Absicht: Die Menschen wachzur\u00fctteln &#8211; daf\u00fcr, dass Antisemitismus nicht nur &#8222;ein paar Juden im Land&#8220; treffe, sondern eine immer pr\u00e4senter werdende Gefahr f\u00fcr unsere Demokratie ist. Sie k\u00e4mpft f\u00fcr ein Bewusstsein daf\u00fcr, damit junge Menschen mit j\u00fcdischen Wurzeln sich nicht verstecken m\u00fcssen, sich nicht fremd f\u00fchlen und ihre Identit\u00e4t frei leben k\u00f6nnen, wie es das Grundgesetz garantiert, so wie wir unsere leben. Sie k\u00e4mpft daf\u00fcr, damit wir es nicht verpassen, Verantwortung f\u00fcr unsere gemeinsame Zukunft als Gesellschaft zu \u00fcbernehmen und zu handeln, bevor wir an dem Punkt ankommen, an dem das Gegensteuern nicht mehr m\u00f6glich sein wird, bevor der &#8222;point of no return&#8220; erreicht ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eJ\u00fcdisches Leben in Deutschland heute: Geht&#8217;s weiter?\u201c Auf diese Frage antwortet Neuwald-Tasbach mit einem klaren &#8222;Ja!&#8220; und f\u00fcgt hinzu: &#8222;Wir haben keine andere Wahl! Wir haben nur diesen einen Ort f\u00fcr ein friedliches Miteinander!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Wir sind zu still, wenn andere laut werden&#8220;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um dieses pflegen zu k\u00f6nnten, hilft es, Begegnungen zu intensivieren, Veranstaltungen zu organisieren und bei antisemitischen \u00c4u\u00dferungen und Handlungen jedweder Art konsequent aktiv zu sein \u2013 nicht wegzuschauen, nicht hinzunehmen, nicht zu schweigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Wir sind zu still, wenn andere laut werden!&#8220;, bringt es eine Veranstaltungsteilnehmerin mit Blick auf die aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen auf den Punkt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Anwesenden werden herzlich eingeladen, an den k\u00fcnftigen Aktionen des Velberter B\u00fcndnisses &#8222;Aktiv gegen Antisemitismus&#8220; teilzunehmen und sich darin mitzuengagieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kontakt: info@aktiv-gegen-antisemitismus.net.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">verfasst von: Helena Latz, Mitglied des Velberter B\u00fcndnisses \u201eAktiv gegen Antisemitismus\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/aktiv-gegen-antisemitismus.net\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Foto-F.-Uphoff-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-605\" srcset=\"https:\/\/aktiv-gegen-antisemitismus.net\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Foto-F.-Uphoff-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/aktiv-gegen-antisemitismus.net\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Foto-F.-Uphoff-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/aktiv-gegen-antisemitismus.net\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Foto-F.-Uphoff-1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/aktiv-gegen-antisemitismus.net\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Foto-F.-Uphoff-1-100x133.jpg 100w, https:\/\/aktiv-gegen-antisemitismus.net\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Foto-F.-Uphoff-1-150x200.jpg 150w, https:\/\/aktiv-gegen-antisemitismus.net\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Foto-F.-Uphoff-1-200x267.jpg 200w, https:\/\/aktiv-gegen-antisemitismus.net\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Foto-F.-Uphoff-1-300x400.jpg 300w, https:\/\/aktiv-gegen-antisemitismus.net\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Foto-F.-Uphoff-1-450x600.jpg 450w, https:\/\/aktiv-gegen-antisemitismus.net\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Foto-F.-Uphoff-1-600x800.jpg 600w, https:\/\/aktiv-gegen-antisemitismus.net\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Foto-F.-Uphoff-1-900x1200.jpg 900w, https:\/\/aktiv-gegen-antisemitismus.net\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Foto-F.-Uphoff-1.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Judith Neuwald-Tasbach, Gisbert Punsmann (B\u00fcndnissprecher)<br>Fotos: Frank Uphoff<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J\u00fcdisches Leben in Deutschland heute: Es geht weiter! 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